Eine unvergessliche Begegnung

Ob mit oder ohneStargast Joseph Herzog auf der Bühne - die jungen Jazz-Musiker des Lichtenstern-Gymnasiums zeigten am Freitagabend ihr Können.
Foto: Martin Kalb/BZ

Zu "Jazz im Foyer" hat das Lichtenstern-Gymnasium einen Profi eingeladen: Joseph Herzog, musikalischer Leiter des Bosch Orchestra.

 

von Susanne Yvette Walter in: Bietigheimer Zeitung vom 18.11.2019

 

Während das Foyer des Lichtenstern-Gynmasiums (LGS) in Großsachsenheim sich am Freitagabend füllt, treffen sich Musiker zum letzten Austausch vor dem großen Auftritt in einem Klassenzimmer. Vor ihnen liegt die Veranstaltung „Jazz im Foyer“ein einzigartige Begegnung mit dem Leiter des Bosch-Jazz-Orchestra, Joseph Herzog.

Schon unter der Woche gab es Workshops mit dem Vollblut-Jazzer, der bekannt ist für seinen weichen Trompetenton. Die Aufregung der Lichtenstern-Musiker steigt, je näher der Konzertbeginn rückt. „Der bevorstehende gemeinsame Auftritt mit dem Profi spornt die jungen Musiker zu Höchstleistungen an, vor allem im Improvisieren, der Königsdisziplin im Jazz. Im Orchester haben wir nicht die Freiheit zu improvisieren und das zu spielen, was uns gerade durch den Kopf geht, in der Big Band schon“, erzählt Ella Eichert, die Saxophonistin. Sie bekommt weiche Knie, wenn sie an den gemeinsamen Auftritt mit dem Bosch-Musiker denkt. „Ich spiele ein Solo in der Zugabe ‚Misty’ und bin schon ziemlich aufgeregt. ich habe noch nie ein Solo gespielt vor so vielen Leuten“, bekennt sie.

 

Nachwuchs moderiert
Dass Joseph Herzog, der lyrische Trompeter, den Weg zum LGS gefunden hat ist Musiklehrer Franz Pregler zu verdanken. Er hat bei seinem Start an der Schule dem Jazz eine besondere Plattform gegeben. Seitdem gibt es dort einmal im Jahr „Jazz im Foyer“. Am Freitagabend klemmt sich eine ehemalige Schülerin hinter das Mikrofon als Moderatorin, die weiß, wie es geht. Laura Müller befeuert ihr Publikum, plaudert mit und über Jazzgrößen und stellt die Musiker vor.

 

Man hört der Nachwuchsmoderatorin gerne zu, wie sie stolz das musikalische Geschehen an ihrer ehemaligen Schule kommentiert. „Als ich die Einladung zu dieser Moderation bekommen habe, habe ich als erstes zu Hause, um mich in Stimmung zu bringen, Jazz aufgelegt und meine Klarinette vom Dachboden geholt und entstaubt, dann vorsichtig ein hohes C gespielt. Und schon war ich wieder drin im Lebensgefühl des Jazz“, erzählt sie. Auch beim Publikum bemerkt sie schnell, dass  hier kaum einer still sitzen kann, wenn die wechselnden Ensembles miteinander auf Tuchfühlung gehen.

 

Zu Beginn bringt Harmonic Light Brass unter der Leitung von Matthias Nassauer die Zuhörer in Stimmung mit Blues-Jazz von Richard Roblee. Erste Solisten heben sich ab, verzahnen sich und weben einen Klangteppich aus unzähligen Nebenakkorden. Das Konzert wird dichter. Stargast Joseph Herzog erscheint unter viel Beifall auf der Bühne. Im Trio mit Stephen Brielmeyer, David Bär und Joel Boronka erhebt sich majestätisch Herzogs Trompetenton. Alle Augen sind auf ihn geheftet. Am Ende rauscht der Beifall minutenlang.

 

Natürlich ist diese Begegnung für sämtliche Musiker an der Schule unvergesslich. Künstler Herzog und Musiklehrer Pregler verbindet eine lange Freundschaft. Daher kam der Bosch-Bigband-Leader und Orchesterleiter nach Sachsenheim, um im Nachwuchs dort den Ehrgeiz zu entfachen. Die beiden Männer treffen sich auf der Bühne zu einer einmalig spannenden Begegnung: „Spain“ mit der typischen spanischen Trompete und einer Menge perlender Läufe, die sie zeitlich versetzt über das Publikum ausschütten. Die anschließende „Ballade at Night“ ist eine Hommage und ein Dankeschön von Kunstlehrer Marc Benseler und Franz Pregler für zehn Jahre „Jazz im Foyer“. Viele Ehemalige unterstützen die Musiker auf und vor der Bühne.

 

Recycelte Deckenkunst
Jazz im Foyer ist ein Highlight im Schulleben am LGS, vor allem am Freitagabend, als Herzog zeigt, wie viel Ruhe im Jazz mitschwingen kann. Wer versonnen dem Profi lauscht, der schaut irgendwann unweigerlich an die Decke des Foyers und staunt: Dort baumeln aufgeschlagene Schulbücher – ein kunstvolles Upcycling von ausgedientem Unterrichtsmaterial.

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