19.12.2019

Eine Weihnachtsreise durch sechs Jahrhunderte

Chor und Orchester des Lichtenstern-Gymnasiums füllten den Altarraum der Sachsenheimer Stadtkirche.

Schüler und Lehrer des evangelischen Lichtenstern-Gymnasiums spielen in der Sachsenheimer Stadtkirche festliche Stücke vom Mittelalter bis zur Neuzeit.


Höhepunkt und Abschluss des musikalischen Jahres am Lichtenstern-Gymnasium stellen seit Jahren die beiden traditionellen Weihnachtskonzerte in der Sachsenheimer Stadtkirche dar, die in diesem Jahr neben dem Adventskranz besonders mit einer provenzalischen Krippe aus der Partnerstadt Valréas geschmückt war.

Sachsenheim (p). Mit Posaunen und Trompeten eröffnete ein klanggewaltiges Blechbläserquintett um Musiklehrer Matthias Nassauer das Weihnachtskonzert. Unterstützung erhielten die fünf Blechbläser von Dorothee Weiß-Schaal an der Orgel. „Ite missa est“ von Vinzenz Goller (1873-1953) wurde dem feierlichen Konzertrahmen absolut gerecht und bildete den Auftakt zu einer Weihnachtsreise durch sechs Jahrhunderte Musikgeschichte. Ob beim Jazz-Choral von Ingo Luis oder Edvard Griegs Kuhreigen sowie seinem Bauerntanz – die fünf Bläser begeisterten das Publikum in der vollbesetzten Stadtkirche mit rundem Ton, guter Intonation und perfektem Zusammenspiel. Beim abschließenden „Down Home“ des Posaunisten Richard Roblee swingte sich das Publikum bei amerikanischem Sound so richtig ein.

Beinahe zum jährlichen Repertoire gehört das „Hallelujah! A Baby is born“ von Jay Althouse. Gesangslehrerin Barbara Horn hatte wieder vier strahlende jugendliche Sängerinnen zu einem Quartett gefügt, das mit viel Esprit den mit Anklängen an Händels Halleluja verwobenen Jubelgesang vortrug.

Bereits drei Jahrhunderte früher komponierte der Lübecker Kantor Dietrich Buxtehude (1637-1707) sein berühmtes „In dulci jubilo“. Ein stimmlich hervorragend aufgelegtes Vokalensemble trat dabei in einen musikalischen Widerstreit mit der begleitenden Schülerinstrumentalgruppe. Eine präzise Aussprache und eine sichere und feine Intonation brachten das Werk des frühbarocken Meisters im Kirchenraum zum Klingen. Chorleiterin Stephanie Müller hatte mit ihrem Vokalensemble einen strahlenden Vortrag gesungen, der durch das Echo der Instrumente eine wunderbar weihnachtliche Stimmung erzeugte.

Mit dem neugegründeten Ensemble Alte Musik erfüllten mittelalterliche Klänge den Kirchenraum. Bei „Nun komm der Heiden Heiland“ von Samuel Scheidt (1587-1654) waren die Konzertbesucher aufgefordert, nach dem Instrumentalvorspiel in das Kirchenlied einzustimmen. Bei den anschließenden „Venezianischen Tänzen“ eines unbekannten Meisters aus dem 15. Jahrhundert fühlte man sich dann endgültig in das Markttreiben auf dem Kirchplatz der Wehrkirche St. Fabian und St. Sebastian mit hineingezogen. Mit Schellen, Tambourin und Orgel, Barockposaune, Violine, Violoncello und Oboe musizierte das Quintett tonlich und technisch fein abgestimmt und erzielte eine ganz besondere raumgreifende Wirkung. Dabei erinnerten die musikalischen Weisen und die virtuosen musikalischen Verzierungen an die Hochzeiten der mittelalterlichen Minne.

Für eine erkrankte Schülerin sprang kurzfristig Musiklehrerin Christiane Eckhardt als Violinsolistin ein. Zusammen mit Clara Piro Noack an der Oboe musizierte das Duett die Pastorale von Francesco Manfredini, Sinnbild weihnachtlicher Musik. Auf weiche, fließende Passagen wechselten tänzelnde und virtuose Abschnitte. Die minimale Besetzung brachte dabei das musikalische Potenzial beider sehr schön zur Geltung.

Mit Großem Chor und Schulorchester waren der Chor- und Altarraum zum Ende des Weihnachtskonzertes prächtig gefüllt mit Musikern. Ruth Rissler und Matthias Nassauer dirigierten im Wechsel und gestalteten mit Chor und Orchester einen würdevollen Konzertabschluss. Auf Oliver Sperlings Weihnachtskanon „Gloria“ folgte Maurice Ravels (1875-1937) „Pavane for a silent Night“. Den fulminanten Höhepunkt gaben die mehr als 60 Schüler, Lehrer, Mitarbeiter und Gastmusiker bei Auszügen aus Georg Friedrich Händels (1685-1759) Oratorium „Messias“. Schüler Manuel Becker (Tenor) und Vera Mayer (Sopran) boten in Begleitung von Dorothee Weiß-Schaal am Cembalo zwei feinfühlige und akzentuierte Arienvorträge. Mit den Ohrwürmern „Denn die Herrlichkeit Gottes des Herrn“, „Denn es ist uns ein Kind geboren“ und natürlich dem finalen „Halleluja“ endeten die diesjährigen Weihnachtskonzerte, die Musiker und Besucher gleichermaßen in einem weihnachtlichen Klangzauber über beinahe 600 Jahre Musikgeschichte hinweg begeistert hatte.