31.10.2019

Auf Müllers Spuren die Metter entlang

Jürgen Hübner von der Bietigheimer Mettermühle berichtete den Siebtklsässlern von seinem Beruf.

Radtour: Die Siebtklässler des Lichtenstern-Gymnasiums bekommen in der Mettermühle eine Führung.

in: Bietigheimer Zeitung vom 29.10.2019

 

Obere Mühle und Untere Mühle in Kleinsachsenheim, Metterzimmerer Mühle und dann die Hübner-Mühle – auf einer Strecke von gerade einmal fünf Kilometer sind es allein vier Mühlenstandorte, an denen die Siebtklässler des Lichtenstern-Gymnasiums Sachsenheim bei ihrer Mühlentour vorbeiradelten. Doch erst die Mettermühle ist eine intakte Mühle.

 

Müllermeister Jürgen Hübner erklärte laut einer Mitteilung von Helmut Dinkel den Siebtklässlern, wie aus Weizen-, Roggen- oder Dinkelkorn feines Mehl entsteht, denn seine Mettermühle wird nach Jahrhunderten unterschiedlicher Nutzung bereits seit 1895 als Getreidemühle betrieben. Auf dem Walzenboden stehen die Walzenstühle, die fortwährend Korn zerkleinern und Mahlgang für Mahlgang einheitliches feines Mehl produzieren.

 

Mehl ein Qualitätslebensmittel
Während das Mehl aus den ersten Mahlgängen noch ganz hell ist, nimmt es mit jedem weiteren Mahlgang eine dunklere Färbung an. Das liegt daran, dass neben dem Korn zunehmend Anteile der Schale im Mahlgang zerkleinert werden. Die Kunst ist es, trotzdem ein homogenes Mehl herzustellen. Das Korn wird dabei über ein Röhrensystem auf den darüberliegenden Boden gesaugt und gesiebt. Die feinen Mehlkörner werden von den groben getrennt, die einen weiteren Mahlgang durchlaufen. Bis zu 16 Mahlgänge sind nötig, bis das Korn zu Mehl verarbeitet ist. Werden nach den Mahlgängen alle Mehlbestandteile, also Korn, Schale und Keimlinge, wieder zusammengeführt, darf es als Vollkorn deklariert werden. Die unterschiedlichen Typen, vom 405er bis zum 1800er, geben Auskunft über den Mineralgehalt und damit auch die Färbung des Mehls.

 

Bei ihrer Betriebserkundung in der Bietigheimer Mettermühle erfuhren die Lichtensternschüler, welch hoher Qualitätsstandard bei der Herstellung von Mehl herrscht. Bevor das Korn verarbeitet wird, können mehrere Reinigungsgänge erfolgen. Im Steinauslöser wird Erde oder Stein vom Korn und im Farbauslöser mit Kamera und speziellen Luftdüsen verfärbte Körner getrennt. Das ist nötig, wenn die Gefahr von Mutterkorn besteht, einem giftigen Pils, der das Korn befallen und ungenießbar machen kann.

 

Am Ende der Mühlenbesichtigung lüftete Müllermeister Hübner noch den Deckel über dem mittelschlächtigen Mühlrad, denn von außen ist es gar nicht sichtbar. Seit 1895 macht es Umdrehung um Umdrehung und liefert einen Teil der Energie, die man für die Mehlherstellung benötigt.

 

Energiegewinnung
Damit es auch im Winter läuft und nicht vereist dreht es sich geschützt in seinem Radhaus. „Ab 500 Liter Wasser pro Sekunde wird es mit der Energiegewinnung interessant“ erfuhren die Schüler. Bei Hochwasser liefert der kleine Mühlenkanal auch bis zu 1500 oder gar 1800 Liter in der Sekunde. Je mehr Wasser, desto mehr Wasserdruck und desto mehr Energie liefert das fünf Meter große und 1,20 Meter breite Mühlrad. 28 Schaufeln aus Lärchen- oder Eichenholz hat es. Der Austausch allein einer Schaufel dauert im Schnitt drei Stunden und muss alle zehn bis 15 Jahre erfolgen. Sedimente setzen dem Holz zu und schmirgeln die Schaufeln ab.