Gemeinschaft trotz Abstand

Schüler pinnen an Wände ihre Ideen, die sie während des Gottesdienstes gesammelt haben. Sie zeigen, was das Leben lebenswert macht.
Der Gottesdienst, geleitet von Religionslehrerin Corinna Schiek, fand im Lichtenstern-Gymnasium in diesem Jahr live per Videoübertragung statt.

in: BietigheimerZeitung vom 27.11.2020

 

Sachsenheim Am Lichtenstern-Gymnasium zeigen die Schüler, wie sie in Corona Zeiten mit verscheidenen Aktionen und einem Videogottesdienst ihre Schulgemeinschaft leben.

 

Keine jahrgangsübergreifenden Aktionen durch die SMV, keine Schulveranstaltungen wie Konzert-, Theater- oder Gesprächsabende, praktisch keine Exkursionen, eingeschränkter Sport- und Musikunterricht und trotzdem gibt es neben dem Kerngeschäft Unterricht noch andere Formen, in denen eine lebendige Schulgemeinschaft über die Klassengrenzen hinweg erlebbar wird. Am Lichtenstern-Gymnasium versucht man mit zahlreichen Online-Aktionen im LGS-Team Schulgemeinschaft spürbar werden zu lassen, So starteten die Fünftklässler einen Aufruf zur Aktion „Ein Päckchen Liebe schenken“. Ihre Videobotschaft in alle Klassen scheint gerade in Corona-Zeiten auf großen Zuspruch gestoßen zu sein, denn 130 Päckchen, so viele wie noch nie, kamen zusammen und konnten zur Sammelstelle nach Kleinsachsenheim gebracht werden. „In dieser Spendenfreude drückt sich sicherlich auch die Dankbarkeit darüber aus, dass es die Schülerinnen und Schüler des Lichtenstern-Gymnasiums auch in solch bizarren Zeiten gut haben und Ihnen darüber das Gespür für die Nöte und Sorgen anderer nicht verloren geht“, so Mathe- und Physiklehrer Hans Bader, der die Aktion seit vielen Jahren betreut. Der große Zuspruch macht denn auch Hoffnung für die zweite jährliche Schulspendenaktion der Achtklässler, heißt es in der Mitteilung des Gymnasiums. Im Rahmen ihres Diakonieprojektes werden in Kürze für die Tafelläden in der Region Waren gesammelt.

 

Online-Schulgottesdienst

„Vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat“ – die alttestamentliche Mahnung aus Psalm 103 stand über einem Videogottesdienst, der live aus dem Raum der Stille in alle Klassenzimmer übertragen wurde. Corinna Schiek, Bietigheimer Stadtkirchenvikarin und Religionslehrerin in Klasse neun, hatte mit Schülerinnen und Schülern sowie Lehrern einen Gottesdienst am Vortag des Buß- und Bettages vorbereitet, der den Blick der über 650 Teilnehmer auf das Positive lenkte, das sie auch während der Pandemie erfahren. Regeln, Einschränkungen, Verbote sind das eine, Familie, Geschwister, Freunde, ein eigenes Haus, ausreichend zu essen das andere, was Jugendliche durch diese Pandemie begleitet. Corinna Schiek traf bei Ihrer Ansprache den rechten Ton und lenkte so den Blick ihrer Zuhörer auf das, was unser Leben so lebenswert macht. Die unzähligen Notizzettel, die in der großen Pause an die Präsentationswände geheftet wurden ließen deutlich werden, was die Lichtensternschülerinnen und -schüler durch die Corona-Pandemie trägt.

 

Von Schülern für Schüler, so ließe sich die Aktion der Kursstufenschüler beschreiben, denn recht bunt zeigt sich die Maskenvielfalt in den Klassenzimmern des Lichtenstern-Gymnasiums. Was hier noch fehlt ist die Lichtenstern-Maske, die jeden Träger als Teil der Schulgemeinschaft auszeichnet. So dachten sich dies die angehenden Abiturienten und überzeugten Schulleiter Reinhart Gronbach von der Idee einer LGS-Maske. Mit Videobeitrag, Durchsage und Elternbrief werben sie für ihre Maske und hoffen, in den nächsten Tagen auf großen Zuspruch, damit sie ihre Idee verwirklichen können und ein weiteres Maskendesign in den Klassenzimmern des Lichtenstern-Gymnasiums Einzug hält.

 

„Wir hoffen sehr, dass wir trotz der aktuellen Einschränkungen ein Gefühl von Schulgemeinschaft vermitteln können“. Deshalb ist Schulleiter Reinhart Gronbach dankbar, wenn von Schülerinnen und Schülern ebenso wie von Lehrerinnen und Lehrern Impulse ausgehen, die den Schulalltag beleben, heißt es in der Mitteilung weiter. Gerade in einer Krise wie dieser zeige sich für den Pädagogen, ob man in einer Schule dialogfähig ist und eine Kultur der gegenseitigen Achtung lebt, denn dann kann man gemeinsam prüfen, was möglich ist und wo man Grenzen des aktuell Machbaren überschreitet. Für Gronbach zeigte sich, dass bei gutem Willen und gegenseitiger Fürsorge dabei manchmal mehr geht, als man denkt.