Pressemeldung

Presse: Offenheit auf beiden Seiten

von Michaela Glemser in: Bietigheimer Zeitung vom 18. April 2026; Bild: Martin Kalb

 

Schüler des Lichtenstern-Gymnasiums suchen den Austausch mit den Senioren des Betreuten Wohnens. Beide Altersgruppen profitieren.

 

Ich war erstaunt, wie offen die älteren Menschen im Umgang mit uns Jugendlichen waren und bereitwillig aus ihrem Leben erzählt haben", schildert Max Borth. Der Schüler der Kollegstufe K1 des evangelischen Lichtenstern-Gymnasium nimmt im Kurs „Diakonie" an einem ganz besonderen Projekt in diesem Schuljahr teil. In Kooperation mit dem Betreuten Wohnen der Kirchlichen Sozialstation wollen die acht beteiligten Schülerinnen und Schüler den Austausch zwischen den Generationen fördern und gemeinsam Gefühlen der Einsamkeit vorbeugen.

Kennenlerntermin in der Schule
Im Februar dieses Jahres hatten die Jugendlichen die Senioren zu einer gemütlichen Kaffeerunde mit selbst gebackenem Kuchen in ihre Schule eingeladen. „Dazu hatten die Schüler einen Impuls zum Thema ‚Einsamkeit' vorbereitet, denn wir hatten uns vorher im Unterricht schon intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt", erklärt Lehrer Bernd Rummel. Er war selbst überrascht darüber, wie schnell es zu schönen Gesprächen an den einzelnen Tischen kam und die jungen sowie die älteren Menschen ihre Erfahrungen miteinander teilten.
„Solche Gespräche über Gefühle der Einsamkeit führe ich nicht mit meinen Großeltern oder anderen älteren Menschen aus dem näheren Familienkreis. Daher waren diese Gespräche sehr wertvoll für mich", betont Emily Fuchs. Nils Kugler wiederum hat zu Beginn des Projekts Gefühle der Einsamkeit stark mit der älteren Generation in Verbindung gebracht. „Es war wirklich verblüffend für mich von den Senioren zu hören, an wie vielen Freizeitangeboten sie teilnehmen, wie rege der Kontakt untereinander ist und wie viel gemeinsame Zeit die Bewohner miteinander verbringen", macht Nils deutlich. Es hat sich sogar während dieser Unterhaltung der beiden Generationen herausgestellt, dass auch den jungen Menschen Probleme der Einsamkeit nicht fremd sind.

Einsamkeit auch bei jungen Leuten
„Gerade nach der Pandemiekrise und durch die verstärkte Nutzung der sozialen Medien fehlt oft der persönliche Austausch der Jugendlichen untereinander. Das war in früheren Zeiten ganz anders, wie uns die Senioren erzählt haben", berichtet Marlene Zuberer. Die älteren Menschen haben den Jugendlichen von ihrer eigenen Jugendzeit erzählt, in der sie ihre Freizeit gemeinsam verbracht haben, statt nur am Handy oder am PC den Kontakt zu Freunden zu suchen.
Bei einer von den Schülern organisierten Führung über das Schulgelände konnten sich die Senioren davon überzeugen, dass das digitale Zeitalter inzwischen längst im Unterricht angekommen ist und Kochen oder Hauswirtschaft heute nicht mehr unbedingt zum Lehrplan gehört. Auch zu einem Gegenbesuch in den Räumlichkeiten des Betreuten Wohnens waren die Jugendlichen eingeladen. „Es war wirklich schön, so intensiv mit den älteren Menschen sprechen zu können, über Themen, die mit den eigenen Großeltern nicht in dieser Weise diskutiert werden", meint Karoline Baumgärtner. Durch dieses positive Fazit bestärkt wollen die Jugendlichen diesen Austausch mit der älteren Generation dauerhaft in den Schulalltag integrieren. Auch auf der Seniorenmesse im Kulturhaus an diesem Sonntag wollen die Jugendlichen ihr Projekt ausführlich mit Plakaten und einer Präsentation einer breiten Öffentlichkeit vorstellen. „Die älteren Menschen waren sehr angetan von der Zugewandtheit und dem Interesse der jungen Menschen am Leben der Senioren. Ich bin begeistert vom lebendigen Miteinander der Generationen", unterstreicht Claudia Queißer von der Kirchlichen Sozialstation. „Aufeinander zugehen, miteinander ins Gespräch kommen und gemeinsam voneinander lernen, um mögliche Gefühle der Einsamkeit zu verringern: Unser Projekt zeigt, dass alle vom Austausch der Generationen profitieren", stellt Rummel klar. Schöner Nebeneffekt ist, dass sich Senioren und Jugendliche inzwischen freundlich grüßen und nette Worte wechseln, wenn sie sich sehen.

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